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Die
nationalsozialistische Partei Österreichs - obzwar verboten
- wird immer aggressiver und beginnt mit Terrormitteln aller Art
zu arbeiten. Hakenkreuzmalen, Hakenkreuzfahnen hissen, Böllerwerfen,
Brückensprengungen und Anschläge auf die Bundesbahnen
lösten sich ab. Dem ob seiner politischen Betätigung sehr
verhassten Sprengelarzt Dr. Karl R. wurden mehrere Papierböller
geworfen, so dass er um seine Versetzung nach Ferlach sich zu bewerben
bemüßigt sah und im Juni 1934 auch dahin versetzt wurde.
Ansonsten sind im Postenrayon keine Anschläge vorgekommen.
19.5.1934
Aus dem freiwilligen Schutzkorps wird wegen der Tätigkeit der
NSDAP eine Bahnsicherungsabteilung aufgestellt, welcher die Bewachung
der beiden Eisenbahnbrücken übertragen wird. Gleichzeitig
wird auch eine Voltrainsbegleitung von Oberdrauburg bis Villach
unter dem Kommando von Gendarmeriebeamten aktiviert.
25.7.1934
Ab 15:00 Uhr wurde vom Landesgendarmeriekommando strenge
Bereitschaft anbefohlen.Im Postenrayone herrscht vollkommene Ruhe.
In den Abendstunden sickert die Nachricht durch, dass in Wien die
Revolution ausgebrochen und das Bundeskanzleramt vom Militär
besetzt und Bundeskanzler Dollfuß schwer verletzt sei. Rintelen
sei in Wien und habe die Neubildung der Regierung übernommen.
Diese Nachrichten stammen von deutschen, tschechoslowakischen und
schweizerischen Sendern. Eine allgemeine Nervosität hat sich
der Bevölkerung bemächtigt, doch wird Ruhe und Ordnung
nirgends gestört. Der Wiener-Sender meldet um 22 h den Tod
des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß und den Verlauf der
Geschehnisse in Wien. Über Auftrag der Bezirkshauptmannschaft
Spittal wurden die Gasthäuser um 23 h gesperrt und sind weder
Ansammlungen, noch sonst welche Zeichen eines Aufruhres bemerkbar.
26.7.1934
Die Bevölkerung geht ihrer Tagesbeschäftigung nach.
Die einlaufenden Radio-Meldungen werden eifrigst besprochen, doch
herrscht noch immer Ruhe und ist auch bei Einbruch der Dunkelheit
nichts Außergewöhnliches wahrzunehmen.
Ray.Insp.
Lorenz Lassnig wurde mit vier Schutzkorpsmännern zur Zugsbegleitung
nach Villach um 20 .30 Uhr abgefertigt. Ray.Insp. Franz Melcher
ging kurz vor 21 h gerüstet in den Lokodienst ab, um das Verhalten
der Bevölkerung zu beobachten. Von der Außenwelt laufen
keine Nachrichten ein, nur der Posten Nikolsdorf fragt um 20 h an,
was in Oberdrauburg los sei, weil er gehört habe, dass in Greifenburg
die Nazi demonstrieren. Rev.Insp Wallner ist alleine am Posten.
Kurz nach 21 h ist Eilschritt hörbar; die Postenunterkunft
wurde von sechzehn Mann - zum Teil bewaffneten - Anhängern
der NSDAP besetzt und Rev.Insp. Wallner unter Anschlagen der Waffen
zur Übergabe des Postens aufgefordert.
Der
Posten wurde übergeben; die vorhandenen Waffen - 2 Stutzenkarabiner
und 2 Steyrpistolen - verteilten die Aufrührer unter sich.
Die Munition wurde nicht gefunden und verbleibt deshalb am Posten.
Rev.Insp. Wallner wird als gefangen erklärt und von drei bewaffneten
Nationalsozialisten bewacht. Auch im Postamte wurde bewaffnet eingedrungen
und die beiden dort anwesenden Angestellten, Michael N. und Josef
R., nach erfolgter Amtsübergabe dort festgehalten.
Zur
gleichen Zeit als der Posten besetzt wurde, erfolgte auch in Waidach
die Umstellung der Unterkunft der Bahnsicherungsabteilung durch
etwa 30 Mann der NSDAP. Hier kam Ray.Insp. Franz Melcher, der eben
über die Draubrücke ging dazwischen, wurde von 4 Mann
umringt und mittels Zaunlatten zu Boden geschlagen.
Trotzdem setzte sich Melcher zur Wehr und gab mehrere Schüsse
aus seiner Dienstpistole ab. Inzwischen waren die Aufrührer
in die Unterkunft der Schutzkorpsmänner eingedrungen, hatten
mit vorgehaltenen Waffen die Übergabe und Ausfolgung der Waffen
und Munition gefordert, welcher Aufforderung die 4 anwesenden Schutzkorpsmänner
auch nachkamen. Ray.Insp. Lorenz Lassnig hatte die Pistolenschüsse
am Wege zum Bahnhof gehört und eilte gegen die Unterkunft der
Bahnsicherungsabteilung hin, woselbst er von Ray.Insp. Franz Melcher
über die Geschehnisse kurz unterrichtet wurde. Beide wollten
nun in die Unterkunft der Bahnsicherungsabteilung eindringen, doch
im selben Augenblick fiel aus dem Hause ein Schuss und der rechts
stehende Ray.Insp. Melcher stürzte zu Boden. Das Projektil
einer Pistole hatte bei Melcher den linken Lungenflügel durchschlagen
und war dann in der Wirbelsäule stecken geblieben. Der Tod
muss innerhalb 10 Minuten, infolge starken Blutergusses und Verstopfung
der Atmungsorgane, eingetreten sein. Wer den Schuss abgegeben hat
konnte bisher nicht festgestellt werden. Ray.Insp. Lassnig wollte
den Postenkommandanten vom Tode des Ray.Insp. Melcher verständigen,
wurde aber im Orte von zahlreichen Aufrührern umrungen, entwaffnet
und am Posten geführt.
Weitere
4 Schutzkorpsmänner, die in Waidach etliche Angehörige
der NSDAP festgenommen hatten und zum Bahnhofe eskortieren wollten,
wurden ebenfalls von den Aufrührern entwaffnet und in ihre
Unterkunft gebracht. Der Schutzkorpsmann Rupert G. ist bewaffnet
zur Unterkunft der Bahnsicherungsabteilung gekommen, dort eingedrungen
und hat im Nahkampfe den sich entgegenstellenden Anführer Johann
B. erschossen. Der Anführer der Aufrührer Ernst K. kam
dann mit mehreren bewaffneten Männern auf den Posten und verlangte
vom Rev.Insp. Wallner, dass er mitkomme, damit die Schiesserei eingestellt
und weiteres unnutzes Blutvergießen vermieden werde.Auf
die Weigerung des Wallner, erklärte K., dass der Grossteil
der Schutzkorpsleute entwaffnet und bereits alles besetzt sei, worauf
Wallner mitging. Bei der Unterkunft der Schutzkorpsleute meldete
sich auf den Anruf Wallners der Schutzkorpsmann Rupert G., der noch
bewaffnet war. Über Aufforderung des Rev.Insp. Wallner lieferte
G. die Waffen ab und meldete den Vorfall mit dem Aufrührer
Johann B., der tot im Vorhause lag. Aus dem oberen Stockwerke kamen
noch 4 entwaffnete Schutzkorpsmänner und wurden nun alle auf
den Posten eskortiert und dort bewacht.
Um
ca. 22 h meldete SA Führer M., dass Bundesheer im Anmarsch
sei, worauf die Rädelsführer mittelst Auto gegen Greifenburg
fuhren und dort zum Grossteil verhaftet wurden. Beim Einrücken
des Bundesheeres herrschte in Oberdrauburg bereits vollkommene Ruhe.
Plätze und Strassen wurden vom Bundesheer geräumt, worauf
dieses selbst unter Kommando des Major Klinke gegen Greifenburg
weiterfuhr. Kurz nachher rückte Tiroler-Heimwehr im Orte ein
und begann ohne Ursache zu schießen, worauf zwei Nationalsozialisten
verletzt und der behinderte Josef E. in seiner Wohnung von einem
Geller getötet wurde.
Der
Regierungskommisär Dr. Walter der Bezirkshauptmannschaft Lienz
ließ das verstärkte Standrecht verkünden und sogleich
Streifungen nach den Rädelsführern und sonstigen Aufrührer
vornehmen, wobei etliche Verhaftungen vorgenommen wurden. Die 130
Mann starke Heimwehrkompanie Thal-Assling unter Kommando des Res.Oberleutnants
Unterweger blieb in Oberdrauburg. Die Leiche des Ray.Insp. Franz
Melcher wurde in seine Wohnung und die verletzten Nationalsozialisten
in das Spital nach Lienz gebracht. Die bei den Anführern und
ihren Anhängern vorgenommenen Hausdrucksuchungen sind durchwegs
ohne Erfolg geblieben.
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